Schwarzer Windhund verletzt Frau …..


Goya  ist auch bei Sichtung von Reh zunächst noch sehr ruhig,  an der Leine sogar ganz entspannt, aber  ohne Leine muss man nun schnell handeln und den Rückpfiff einsetzen.
 
….das war die Titelschlagzeile in der Ebersberger Zeitung am letzten Freitag.
http://www.merkur-online.de/lokales/grafing/ging-reh-diese-frau-kaempfte-eine-windhund-1594842.html
Wie immer ein sehr reißerischer Titel, der zum Lesen verleiten soll, denn nach Studium des Textes wird deutlich, dass nicht der Windhund die Frau verletzt hat, sondern sie sich beim Versuch den Hund von einem Reh weg zu bekommen, die Schulter ausgekugelt hat.
 
Dennoch geht mir der Artikel auf dem Titelblatt ans Gemüt, denn was für alle Windhundebesitzer in der Region nun folgt, ist neben im besten Falle Mistrauen -  im schlimmsten Falle wieder negative Reaktionen gegen den eigenen Hund. Und das, weil wieder ein Windhundehalter sich mit den jagdlichen Eigenschaften des Hundes nicht vertraut machte und den Hund in einer wildreichen Gegend sorglos sich selbst überließ.
 
Nun sind wir alle, die wir mit ambitionierten Jagdhunden leben, nicht davor geschützt, dass einem das eine oder andere Mal ein Reh oder Hase direkt vor den Hund läuft. Wie man sich verhalten sollte, darauf gehe ich anschließend noch ein. Aber in diesem Fall wurde der Hund wohl schon des öfteren  unterwegs vom Jäger gesichtet und von der Halterin daraufhin angesprochen, mit „Der tut nichts!“ abgespeist. Ich muss gestehen, dass ich immer froh war, dass bei Kontakt mit Jägern mein Windhund maßlos unterschätzt wurde. Meist nahm man an, dass er von der Rennbahn kam und traute ihn den Schneid ein Wild, vor allem ein Reh zu erlegen, nicht zu. Doch nicht dieser dürre Hund, der so zerbrechlich und zurückhaltenden wirkt! Wenn die Jägerschaft die Berichte kennen würde, die ich so auf meinen Seminaren höre, dann hätten sie ein ganz anderes Bild von diesen strategischen Jägern! Nun sorgen andere dafür, dass der Windhund in die Schlagzeilen gerät und so aus seinem Schafpelz-Image herauskommt. Die gesegneten Zeiten sind wohl bald für uns vorbei!
 
         Etwas hat Goyas Aufmerksamkeit auf sich gezogen, Monja kommt nur Interessehalber mit.
 
Aber wie verhalte ich mich, wenn meinem Windhund wirklich mal ein Wild vor die Füße stolpert? Zunächst einmal, lasse ich ihn nur dort frei laufen, wo ihm keine vor die Füße fallen können. Zumindest solange, bis ich ein zuverlässiges Abrufen mit ihm aufgebaut habe. Das muss aus einer Hetze anderer Hunde heraus funktionieren, aus dem Nachsetzen eines Vogels, einer Katze oder anderer Impulse. Ohne einen zuverlässigen Rückpfiff kann ich meinen Hund nicht in ungesicherten Gegenden laufen lassen, denn mit einer unkontrollierten Hetze gefährdet er nicht nur sich selbst oder Wild, sondern kann sehr schnell auch Menschen, die seinen Weg kreuzen, gefährlich werden. Wer schon einmal von einem 50 h/km schnellen Hund über den Haufen gerannt wurde und sich erholte, der kann davon ein Lied singen. In einer Gegend wie der unseren, ist es auch schnell vorbei mit dem Wald und einige Wildunfälle in die Autofahrer verwickelt wurden, wurden von Hunden ausgelöst, die Wild aufschreckten, was in  kopfloser Panik dann auf die Landstraße lief.
 
      Anfangs wurde Choco an der Schleppleine mit den Hühnern trainiert, inzwischen lässt er sich von flatternden Hühnern nicht mehr aus der Ruhe bringen. Diese Standruhe funktioniert allerdings draußen noch nicht bei Hase und Reh!
 
Ein weiterer Punkt, der die Zuverlässigkeit des Hundes im Freien fördert, ist der Aufbau der Standruhe. Ein Hund, der draußen mit seinem Halter auch mal entspannt in der Landschaft döst, der schnelle Reize erst einmal in Ruhe auf sich wirken lässt und nicht auf und davon ist, auf den kann man auch leichter einwirken, wenn das Wild den Weg kreuzt. Er ist konzentrierter, er überlegt, ist noch ansprechbar und reagiert nicht ohne Nachdenken auf einen Reiz.
 

 
Choco kann ich nur in sehr sicheren Gegenden laufen lassen. Aber auch dort üben wir Aufmerksamkeit schenken und Radius halten!
 
Wenn es aber einmal passiert, dass eine solch unglückliche Verkettung von Umständen auf einem und den Hund hereinbricht und der Hund sich mit keinem Signal und Kommando vom Wild abrufen lässt, dann heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Man sollte auf keinen Fall sich von dem Ort entfernen, von dem der Hund zur Jagd aufgebrochen ist. Denn er kommt nach einer Jagd auf alle Fälle wieder dorthin zurück ... und wenn es Stunden dauert. Wenn der Hund nach 10 Minuten nicht zurück ist, also sich wirklich in die Jagd vertieft hat oder vielleicht auch schon irgendwo am Reh hängt, dann sollte man, wenn man die Telefonnummer des zuständigen Jäger nicht hat, die Nummer der Polizei wählen. Dort erklären, was einem passiert ist, den Hund beschreiben und darum bitten, dass es an den zuständigen Jäger weitergeben wird. In Bayern hat der Jäger das Recht den Hund abzuschießen, wenn er am Wild hängt, aber die Jäger selbst sind meist auch Hundebesitzer und haben ein Herz für Hunde. Wenn er über die unglückliche Situation informiert wird und weiß, da wartet der Besitzer am Ausgangsort auf den Hund und hat die Sache schon angezeigt, dann wird er auf den Hund achtgeben. Ich habe schon von einigen Jägern erzählt bekommen, dass sie immer wieder den gleichen Hund vom Wild genommen und nach Hause gebracht haben. Dass es ihnen mehr um Aufklärung und Rücksicht auf das Wild geht, als darum einen Hund zu töten. Das sie aber auch oft mit uneinsichtigen Haltern zu tun haben, die alle Schuld von sich weisen oder gar behaupten, „ihr Hund tut nichts!“
 

 
Lieber den Hund in einer reizarmen und sicheren Gegend laufen lassen, als mit einem vermeintlichen "irgendwo muss er ja laufen" ein Unglück provozieren. Dann lieber mal eine längeren Weg auf sich nehmen und eine glückliche Zeit mit den Hunden verbringen!
 
Ein Windhund aus Spanien ist kein Hund für Halter, die nur gedankenversunken durch den Wald schlendern wollen, während ihr Hund auf sich gestellt selig durch die Landschaft läuft. Solche Hunde gibt es, meine Monja ist so ein Prachtexemplar, die einem laufenden Reh auch unaufgeregt nachsehen kann. Aber meine Monja ist auch kein Windhund. Mit meinen Jungs muss ich immer konzentriert spazieren gehen, beide nehmen ihre Umgebung mit allen Sinnen wahr und zeigen sich bei dem einen oder anderen Reiz äußerst erregt. Und darauf muss ich reagieren, sei es mit sichern, sei es indem ich mich mit ihnen aus der Reizatmosphäre entferne, vor allem aber ihnen bewusst mache, dass ich die Richtung und den Freilauf bestimme.  Und wo der Eine noch völlig unbeeindruckt durch die Gegend läuft, ist der Andere schon äußert nervös und wird von mir lieber angeleint. Man muss seinen Hund mit seinen individuellen Charakter kennenlernen, dann ist man auch in der Lage das Gefahrenpotential für seinen Hund einzuschätzen. Das braucht Zeit, Geduld und auch einen gewissen Trainingsaufwand. Aber es lohnt sich! Denn mit einem solchen Hund ist man Vorbild und macht die beste Werbung in der Öffentlichkeit, zum Nutzen unserer geliebten Windhunde aus Spanien!
 

 
 
Ein glücklich lachender Hund ist das schönste Geschenk!