Susi – Problemfall oder Traumhund?

   Susi, ein lieber Galgo-Mix sucht endlich sein Zuhause!
 
 
Der Fall von Susi, einem Galgomix, der endlich das richtige Zuhause sucht, hat wieder viel Nachdenken bei mir verursacht. Was ist genetisch bedingt und was macht die Umwelt aus einem Hund?
Susis Mutter, eine waschechte Galga, kam hochträchtig nach Deutschland und durfte behütet im Zuhause einer Tierschützerin ihre Welpen auf die Welt bringen. Unter optimalen Bedingungen wuchsen die Kleinen mit Umweltreizen, anderen Hunden, Pferden und positiven Menschenbegegnungen auf und wurden nach und nach in ein neues Zuhause vermittelt. So auch Susi, die mit 3 Monaten in ein Haus mit Garten auf dem Lande einziehen durfte, in eine Familie mit großen Kindern und Pferden.
 
 Susi ist eine junge Hündin, die neugierig und unternehmungslustig die Welt an der Seite liebervoller Menschen erkunden will.
 
Alles schien optimal, die Rückfragen der Tierschützerin wurden positiv beantwortet, die Hündin sei glücklich und man würde sie mit Hilfe eines Hundetrainers ausbilden. Die schönen Bilder die geschickt wurden, schienen den guten Eindruck, den man von den Adoptanten hatte, zu bestätigen.
Nach über 2 Jahren nun der Schock! Die Hündin würde überhaupt nicht in die Familie passen, wäre nur gestresst, hätte  Angst vor Pferden, würde einen nicht zu bewältigenden Jagdtrieb aufweisen und hätte nun auch schon nach den eigenen Kindern geschnappt und müsse daher sofort weg! Die Tierschützerin, die den Hund vermittelt hatte, war völlig verwirrt. Was war in den 2 Jahren geschehen? Die Familie beteuerte, dass sie alles getan hätte, um den Hund bestmöglichst auszubilden. Sie könnten nicht mit einem Hund leben, der den normalen Familienalltag, den sie haben, nicht bewältigen könnte und dauernd nur gestresst sei. Sie würden mit dem Hund mitleiden und daher müsste er  aus ihrem Zuhause entfernt werden.
 
 An der Seite ihrer ehemaligen Halter war Susi draußen immer am Scannen, zusammen mit ihren Menschen auf Jagd.
 
Nach vielen Gesprächen und Nachhaken von Seiten der Tierschützer kam doch mehr und mehr hervor, in welchen Lebensbedingungen Susi aufwuchs. Susi sollte Reitbegleithund werden und ihre Besitzer auf ihren Ausritten begleiten. Beim Trainieren im Paddock konnte man Susi sehr schnell ablegen und die Besitzer mit ihren Pferden um sie herumtrainieren. Aber das Herankommen und den Rückpfiff hatte die Familie nur unzureichend aufgebaut und Susi schnell so auf den Ritt mitgenommen. Natürlich ohne zu berücksichtigen, dass der junge Hund beim Mitlaufen in ein immer größeres Stresspotential geriet und dann natürlich bei Sichtung von Wild auf und davon war. Da man diesen Jagdtrieb nicht in den Griff bekommt – ist ja schließlich ein Galgo – führte man Susi ohne großes Training von Seiten Hund und Pferd an der Leine zum Ausreiten mit. Natürlich mit dem Ergebnis, dass das Pferd nach ihr trat. Ob das mehrmals der Fall war, wissen wir nicht, manchmal reicht aber auch schon eine einzige solche traumatische Erfahrung, um Angstverhalten aufzubauen.
 
 Susi heute, traurig mit misstrauischen Blick, fasst sie langsam Vertrauen zu ihren Pflegeeltern.
 
Nun wurde richtig feste trainiert, damit man das Jagdverhalten in den Griff bekommt und endlich einen verlässlichen Reitbegleithund bekommt. Anscheinend war der Familie nicht bewusst, dass sich Trainingserfolg nur einstellt, wenn man nach anstrengendem Training dem Hund auch Ruhetage gönnt, in denen der Hund das Gelernte verarbeiten und für sich verinnerlichen kann. Durch den ewigen Druck, die vielen Erwartungen, die die Menschen über ihren Hund stülpten und den Stress, den sie dadurch erzeugten, wurde aus dem vermeintlichen Traumhund ein Alptraumhund, der die Familie belastete. Druck und Dauerstress waren Alltag für Susi, das Gefühl, dass die geliebten Menschen immer unzufrieden und gereizt von ihrem Verhalten waren. Und zu guter Letzt waren diese Menschen auch noch der Meinung, dass man seinen Hund jederzeit anfassen dürfen muss. So wurde nicht einmal der einzige Rückzugsort den Susi hatte, nämlich ihr Körbchen, respektiert. Und so verwundert es nicht, dass die einzige Möglichkeit die Susi noch blieb, um endlich mal Ruhe zu bekommen, eine klare Absage an ihre Menschen war. Und da Susi nicht deutsch, sondern nur hundisch sprechen kann, blieben ihr nach all den leisen Bitten, die sie in Form von Beschwichtigungssignalen zeigte, und die immer übersehen wurden, nichts mehr anders übrig als sich die Menschen durch ihre Zähne vom Hals zu halten. Dabei verletzte sie niemanden, sondern schnappte nur ab. Als nun auch noch ein neuer kleiner süßer und quirliger Welpe ins Haus zog, der ihr auch noch die letzte Ruhe nahm, geriet Susis Leben vollends aus den Bahnen. Das Endergebnis nach 2 Jahren in dieser Familie war  ein völlig gestresster Hund, der draußen vollgepumpt mit Adrenalin ins Jagen umkippte und der Zuhause zwischen Meide- und Abwehrverhalten hin und her glitt. Was für eine traurige Entwicklungsgeschichte!
 
 Anderen Hunden, aber auch Katzen gegenüber ist Susi sehr freundlich.
 
Nun ist Susi in der Pflegestelle und hat eine ganz andere Charakterisierung bekommen. Susi ist eine wirklich freundliche und unkomplizierte Hündin. Sie ist zu Hunden, Katzen  und Menschen freundlich. Nur Männern gegenüber zeigte zu Anfangs eine ausgesprochene Scheu. Diese legt sich, wenn sie feststellt, dass diese ihnen freundlich und ohne Erwartungen begegnen. Überhaupt reagiert Susi sehr feinfühlig auf Gefühle! Das zeigt wie essentiell das Einschätzen von Menschengefühlen für Susi in den letzten beiden Jahren war. Wenn der Mensch fröhlich ist und Susi offen aufnimmt, begegnet sie mit Zärtlichkeit und dem Wunsch sich anzukuscheln. Draußen ist sie eine lustige und fröhliche Hündin, die sich am Menschen orientiert und die Grundkommandos beherrscht. Es muss an ihrem jagdlichen Interesse noch gearbeitet werden, aber sie ist kein ambitionierter Jäger. Es zeigt sich vielmehr, dass auch da der Mensch die Richtung vorgibt: ist man selbst andauernd auf der Jagd, dann macht das auch Susi. Richtet man selbst sein Interesse auf andere Beschäftigungen, dann ist Susi dabei. Susi lernt gerne, aber Susi braucht auch viel Ruhe. Und hier darf man sie nicht stören. Wenn sich Susi in ihr Bettchen zurückzieht, dann muss man sie in Frieden lassen. Aber ist das ein Problem? Man kann sie verbal jederzeit aus ihrem Bett herausrufen und sie liebt es, wenn sie wach ist, geknuddelt und gestreichelt zu werden. Ich konnte sie selbst erleben und habe sie als ganz liebvolle und zärtlich-anhängliche Hündin kennengelernt.
 
 Langsam taut Susi wieder auf.
 
Susi wünscht sich ein neues Zuhause, dass sie in ihrer lieben Art mit offenen Armen empfängt und nicht wieder Erwartungsdruck auf sie aufbaut. Die Familie darf ruhig aktiv sein, denn Susi ist sehr lernwillig und neugierig. Hat sie ihre Familie ins Herz geschlossen, geht sie mit ihnen durch dick und dünn. Am Rückpfiff muss noch mit ihr gearbeitet werden und in wildreicher Gegend sollte man sie noch nicht ableinen. Aber wenn sie ein stressfreies Leben genießt, dann wird sie auch nicht mehr unkontrolliert ins Jagdverhalten abgleiten. In ihrer Familie sollten keine kleinen Kinder sein, die vielleicht ungewollt ihren Auszeit-Raum betreten. Aber größere Kinder, die verständnisvoll mit ihrem Ruhebedürfnis umgehen und sie in ihrem Bettchen in Ruhe lassen, dürfen schon in der Familie sein, denn Susi spielt gerne mit Kindern. Wenn man Susi mit ihren liebevollen Charakter und ihrem ausgeprägten Ruhebedürfnis annimmt, dann hat man mit Susi einen Traumhund im Haus!
 
 Wir wünschen Susi endlich verständnisvolle Menschen, die sie so lieben, wie sie ist. Damit Susi endlich wieder glücklich lachen kann.
 
Wenn Susi ihr Traumhund ist, dann melden Sie sich bitte unter:  Info@galgos-in-not.de