Beratungsresistent?! … die Folgen am Beispiel von Niebla.


Niebla, ein Traum von einen Schecken!
 
Hin und wieder mache ich für befreundete Vereine Vorkontrollen. Immer mit einem schweren Stein im Magen: wie bringe ich die mir wichtigen Punkte für den Hund an die neuen Besitzer?! Wie finde ich die richtigen Worte? Was sagen mir die Interessenten zwischen den Zeilen? Schätze ich ihre Körperhaltung richtig ein? Was bedeutet die eine oder andere Zurückhaltung? Warum wird mein Gegenüber bei diesem Thema so erregt?
Mir ist bewusst, dass ich den Leuten nur bis vor den Kopf sehen kann. Mit der Kunst meiner Worte versuche ich die Leute zum Einen mit meinen Informationen zu erreichen, zum Anderen herauszulocken, was mir als Info zu den Menschen wichtig ist. Mit den Jahren wird man in seiner Wortwahl immer heftiger und direkter. Ich schildere von Dreck über Stink, von jahrelanger Verantwortung über deutlicher Einschränkung des bisherigen Lebens, alles Unangenehme in schillerndsten Farben! Lieber ist mir, ein Interessent geht dann nochmals in sich und entscheidet sich gegen den Hund als danach zu schreiben, das ist ja alles so anstrengend, das habe ich nicht gewusst!
 
  Einen ungeschränkten Freilauf kann ein Hund erst dann genießen, wenn er zuverlässig herangerufen und auch von interessanten Objekten abgerufen werden kann. Das braucht seine Zeit und sollte nicht in Gegenden geschehen, in denen Straßen, Bahngleise oder gar Autobahnen in der Nähe sind, denn auch ein zuverlässiger Hund kann sich mal erschrecken und eine große Runde drehen, die dann sein Verhängnis werden kann.
 
Ein Thema, was ich immer lange bespreche, ist die Gefahr, die für einen so schnellen und ambitionierten Jäger in unserer von Verkehr und Hindernissen eingeschränkten Kulturlandschaft drohen. Derzeit prasseln die Meldungen von entlaufenen und verunglückten Hunden nur so über einen herein!!! Und alle Tierschützer sollten sich bei der Vermittlung von ängstlichen, unsicheren und jagdlich ambitionierten Galgos und Podencos bewusst machen, dass diese Verlustmeldungen ja nicht unbeachtet bleiben! Es werden immer die Polizei, die Jägerschaft , Tierheime und oft auch die Autobahnpolizei informiert!!! Nicht ohne Folgen, denn während der Galgo in der Allgemeinheit vor wenigen Jahren noch unbekannt war, von Jäger völlig unterschätzt, rückt er nun immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit, was sich vor allem auch in negativen Berichten in der Presse niederschlägt! Wer darunter leiden muss, sind vor allem die verantwortungsvollen Halter, die ihre Hunde ausbilden, rückrufen können und dennoch mit immer mehr Druck und Repressalien leben müssen!
 
Auch ein unkomplizierter Galgo oder Podenco braucht seine Zeit, bis er sich an den Menschen gebunden hat, bis der Rückruf zuverlässig aufgebaut ist und bis vor allem der Halter seinen Hund in verschiedenen Situationen gut einschätzen kann. Daher weise ich immer daraufhin, dass der  Hund sorgfältig, konsequent und liebevoll ausgebildet wird. Dass, solange der Rückruf nicht zuverlässig bei allen möglichen Ablenkungen funktioniert, der Hund nur in einem sicheren Gelände abgeleint werden kann!!! Und diese Ausbildung ist nicht nach 4 Wochen abgeschlossen!!!!!!
 
  Niebla, ein junger aufgeweckter Galgo, der sofort mein Herz eroberte!
 
So komme ich nun zu Niebla. Ich hatte Niebla 2009 im Buschhof kennengelernt, als wir dort Bilder für unser Buch „Windhunde aus Spanien“ machten. Ich war sofort verliebt in diesen jungen Schecken, der mit seinen 1 ½ Jahren voller Power steckte. Dabei war er so auf den Menschen fixiert, schmuste und schmiegte sich an. Für mich ein Traumhund! Aber leider kann man nicht jeden Traumhund adoptieren und ich war auch sicher, dass dieser wunderschöne Schatz ganz schnell ein eigenes Zuhause findet. Dafür wurde dieser ganz besondere Augenblick, denn ich mit Niebla erleben durfte, im Bild festgehalten und wanderte in unser Buch.
 
   Niebla der sanfte Kampfschmuser hat mich von Anfang an tief berührt und kam so auch in mein Buch "Windhunde aus Spanien"
 
Ich freute mich sehr, als Diana Jork mit mitteilte, dass Niebla in eine Pflegestelle aufgenommen worden war, da er sehr am Menschen hing. Nun war ich sicher, dass er ganz schnell sein Zuhause finden würde. In der Pflegestelle fand sich Niebla schnell ein, was aber auffiel war, dass er Phasen hatte, in denen er sehr hibbelig war. Es dauerte eine Zeit, bis man die Ursache für dieses Verhalten fand.  Niebla, von dem man annahm, dass er kastriert war, war es nicht, sondern hatte einen innenliegenden Hoden! Die Hormonschübe, die die Rüden bis zu ihrem dritten Lebensjahr mitmachen können, hatten bei ihm immer wieder stressiges Verhalten ausgelöst. Nach der Operation, bei der seine Hoden nun entfernt wurden, beruhigte sich sein Verhalten zunehmend. Nun war ich sicher, dass er bald das richtige Zuhause finden würde. Er war in allen Foren, ich verteilte ihn immer wieder bei meinen Freunden und Bekannten, aber nichts passierte! Ich war ratlos – warum sind manche Schecken kaum da und schon vermittelt und andere warten und warten und warten ….. Das einzige was mich beruhigte war, dass er in einer wunderbaren Pflegefamilie war und man konnte auf den Bildern auch sehen, wie wohl er sich dort fühlte.
 
   Niebla fiel immer Blödsinn ein, um die ganze lachende Aufmerksamkeit seiner Pflegefamilie zu ergattern.
 
Als ich nun für ars canis die wunderbaren Skulpturen von Falier Chatarra erwarb, fiel mir eine Skulptur sofort auf, die mich irgendwie an Niebla erinnerte. Und so beschloss ich, dass mit dem Verkauf der Skulpturen einzelne Hunde von Galgos in Not unterstützt werden. Und diese Skulptur war Niebla gewidmet! Kaum war sie auf meiner Seite, rief mich Diana Jork an und teilte mir mit, dass es einen ernsthaften Interessenten für Niebla gibt! Ich hab mich so gefreut, ich war sicher, jetzt fängt für Niebla ein wunderbares Leben an! Ich weiß, dass die Vorkontrolle bei Galgos in Not sehr ausführlich ist und man notfalls den Hund lieber nicht vermittelt als schnell mal weitergibt. Alles sah bestens aus!
 
  Die Skulptur von Falier Chatarra, die Niebla gewidmet wurde.
 
Nun war ich am überlegen, welchen Hund die Skulptur von Falier Chatarra umgewidmet werden sollte. Ich weiß, dass Diana Jork die Hunde noch einen Zeitlang in der Vermittlung lässt, bis sie ganz sicher ist, dass Hund und Mensch zusammenwachsen. So wollte auch ich noch warten, bis Niebla offiziell in sein Zuhause gezogen war und dann mit Diana Jork entscheiden, wem die Skulptur dann gewidmet wird. Dann war es soweit! Diana Jork stellte Niebla als vermittelt ins Forum und ich hab sofort meine Freude darüber geschrieben. Was für ein glücklicher Moment – nach drei Jahren des Suchens endlich angekommen!!!
Am Abend des selben Tags kam die Ernüchterung! Niebla war tot!! Ich konnte es nicht fassen!! Trotz intensiver Beratung hatten die Besitzer Niebla nach nur fünf Wochen in einem unsicheren Gelände laufen lassen! Er braucht ja mal seinen Auslauf!! Niebla hatte sich vor einem Hund erschrocken, lies sich nicht mehr von seinen Menschen anfassen, lief dann panisch los und wurde von einer S-Bahn erfasst. Ich war total erschüttert, der Hund, der mich gedanklich drei Jahre begleitet hatte, war nach fünf Wochen im neuen Zuhause tot! Das einzige was mich noch tröstete war, dass er wohl kaum einen Schmerz gespürt hatte, sondern sofort verstorben war ….
 
  Mein Traum von Hund ist jetzt nur noch ein Bild in meinen Erinnerungen ....
 
Drei Jahre hatten sich die Tierschützer um Niebla gesorgt!! Hatten ihn in Spanien gerettet, ihn in Deutschland mit seiner offenen Schwanzspitze lange gepflegt, seinen innen liegenden Hoden operiert, ihn liebevoll in unsere Kulturwelt eingewöhnt und dann stirbt er in seinem neuen Zuhause, weil die Menschen nicht die Geduld, Zeit und Verantwortung übernehmen eine fundierte Ausbildung zu übernehmen und den Aufbau einer engen Bindung zu ermöglichen! Alles muss immer schnell gehen und lieber gibt man seinem schlechten Gewissen nach, als seinem Verantwortungsgefühl zu folgen, das einem sagt: „Nimm dir die Zeit, fahr zu einem gesicherten Auslauf oder nimm das Geld in die Hand und pachte dir ein umzäuntes Gelände!“ Leidtragende sind die Hunde, die ihr Leben verlieren, die Tierschützer die Liebe, Zeit und Geld in die Rettung des Tieres gesteckt haben und die verantwortungsvollen Halter, die sich wieder ein Negativbeispiel um die Ohren hauen lassen müssen! Ich kann wirklich verstehen, wenn der eine oder andere Tierschützer verbittert und immer harscher im Umgang mit Interessenten wird!
 
  So war Niebla, ein junger bezaubernder Rüde, voller Tatendrang, Spiellust und begeisterter Interaktion mit seinen Menschen.
 
Niebla bleibt in meinem Herzen! Seine Skulptur ist unverkäuflich und bleibt mir als Erinnerung an eine jungen, aufgeweckten und süßen Rüden. Ein Schelm mit Power in seinem kleinen Hintern und einem unglaublichem Charme! Wir sehen uns irgendwann einmal wieder Niebla, dort wo alle anderen Schätze schon über den Regenbogen gegangen sind und auf uns warten!
 
   Leb wohl Niebla, grüß alle dort oben im Regenbogenland! Irgendwann werden wir uns alle wiedersehen!