Welche Kommandos sind wichtig?

 "sitz" hat Sinn, wenn der Hund aus einer stressigen Haltung in Ruhe gebracht werden kann.
 
Viele Hundehalter erzählen freudig, dass ihr Hund schon „sitz“ kann. Ich weiß nicht, warum in unserem Kulturkreis das „sitz“ so einen Stellenwert besitzt, dass es für viele erstes Trainingsziel ist? Kein Jäger oder Schäfer in Spanien würde dieses Kommando als so wichtig betrachten. Oft fragen mich Hundehalter, welche Kommandos ich für wichtig halte.
Da ich ja immer wieder Pflegehunde in meiner Hundegruppe habe, sind für mich drei Dinge wichtig:

  1. Der Hund nimmt auf Signal Blickkontakt mit mir auf.
  2. Der Hund kommt auf ein Signal heran.
  3. Der Hund wendet seine Aufmerksamkeit mit allen Sinnen und seinem Körper nach einem Notsignal-Rückpfiff auf mich.

Letzteres baue ich erst auf, wenn Punkt 1 und 2 gut funktionieren.
Alle Kommandos habe ich schon im meinem Buch „Windhunde aus Spanien“ beschrieben und sie stehen natürlich auch im Mittelpunkt des Seminars „Windhunde aus Spanien – Leben mit Galgo, Podenco, Greyhound und Co.“, das ich zusammen mit der Hundetrainerin Diana Jork anbiete. Obwohl viele Teilnehmer auch das Buch gelesen haben, sieht man doch immer wieder, wie sich der eine oder andere Fehler im Aufbau oder der Ausführung eines Kommandos eingeschlichen hat. Ich werde daher diese wichtigen Kommandos in den nächsten Blog-Beiträgen ausführlich vorstellen. Ein herzliches Dankeschön möchte dabei vorweg an die Teilnehmer der Seminare richten, die unsere Fotos als anschauliches Trainingsmaterial zur Veröffentlichung freigegeben haben.
 
 
   "Schau mir in die Augen Kleiner!" (Buch "Windhunde aus Spanien")
 
Ich beginne mit dem Blickkontakt, warum ist dieser so wichtig? Viele Hundebesitzer kommunizieren mit ihrem Hund nur verbal, dabei kann er weiter die Gegend abscannen, einen anderen Hund bedrohen oder in der Erde buddeln. Gerade für unsere Jagdhunde ist es aber sehr wichtig, sich auch einmal mit ihrer visuellen Aufmerksamkeit in eine andere Richtung, nämlich auf ihren Halter zu richten.
 
 
 In Spanien konzentrieren sich die Hunde auf der Jagd auf ihre Umgebung, damit ihnen keine Beute entgeht und nicht auf den Galguero, der an der Leine hängt.(Buch "Windhunde aus Spanien")
 
Gerade Galgo, Podenco und Co. haben bisher in Spanien gelernt, dass ihr Mensch, sobald sie im Freien sind, nicht Ziel ihrer Aufmerksamkeit ist, sondern die Jagdbeute. Dabei ist die Leine nur vorübergehender Radius-Erzeuger, bis es los geht. Und so verhalten sich die Hunde dann auch in ihrem neuen Zuhause. Sie hängen an der Leine, der Blick schweift durch die Landschaft, die Nase saugt den Boden ab und der Mensch hängt wie ein lästiger Ballast am anderen Ende.
 
 
 Der Blickkontakt und die Berührung verunsichern diesen Galgo sehr, seine Körperhaltung ist nach hinten verlagert, der Schwanz ist unter dem Körper geklemmt und beschwichtigend leckt er sich die Lippen. (Buch "Windhunde aus Spanien")
 
Haben die Hunde auch noch ein Leben als Streuner kennengelernt, dann mussten sie feststellen, dass die Menschen sie in ihre Nähe nicht dulden, vor allem keinen Blickkontakt wünschen. Diese Aufforderung nach Kontakt wurde den Hunden meist mit negativen Verhalten, im harmlosesten Fall mit Verscheuchen quittiert. Solche Hunde vermeiden einen Blickkontakt mit dem Menschen, machen sich klein, nehmen eine geduckte Haltung ein, wenn ein Mensch seine Aufmerksamkeit auf sie richtet. Oft blicken sie dann bewusst weg, beschwichtigen und versuchen den Abstand zum Menschen zu vergrößern.
Daher ist die freudige Kontaktaufnahme mittels Blick für viele Windhunde aus dem Tierschutz eine Umkehr ihrer bisherigen Erfahrungen. Es ist ein Aufbau von Vertrauen! Sie lernen, dass sie nicht bedrohlich angestiert werden, sondern dass der geliebte Mensch damit positive kommunikative Impulse gibt. Und er lernt, wenn er ebenfalls Blickkontakt zu seinem Menschen aufnimmt, dass dies belohnt wird! Ein erster Schritt um seinem Hund zu vermitteln, dass nun ein neues Leben, mit neuen Menschen und neuen Verhaltensweisen beginnt!
Der Blickkontakt kann überall aufgebaut werden, ob im Haus, im Garten oder im Freien. Aber man beginnt die Übung zuerst am besten in einer Umgebung, in der wenig Ablenkung für den Hund vorhanden ist.
 
 Erste Kontaktaufnahme mit Belohnung "Wollen wir etwas Neues ausprobieren?"
 
Auf dem Seminar erklärt die Hundetrainerin Diana Jork ausführlich die einzelnen Schritte, die zu einem guten Aufbau dieses Kommandos führen. Zunächst nimmt sie Kontakt mit dem Hund auf, belohnt seine Aufmerksamkeit mit einem kleinen Leckerchen um ihn zum Training einzustimmen.
 
 
 Der Hund schaut auf die Finger mit dem Leckerchen und nimmt einen kurzen Blickkontakt mit der Trainerin auf.
 
Dann wird das Leckerchen zwischen Zeigefinger und Daumen genommen, die dabei einen Kreis formen. Dieses Kreiszeichen führt die Trainerin in Kopfhöhe, sodass der Hund hindurch in ihr Auge blickt. Diese Kreiszeichen wird im Verlauf zum Sichtsignal für das Kommando "Schau".
 
 
 Das Leckerchen ist gefallen und Diana zeigt wie der Hund nun die Aufmerksamkeit auf das Suchen und Fressen verlegt hat.
 
Blickt sie der Hund, und wenn es auch nur ein Sekundenbruchteil ist, an, dann gibt sie das Leckerchen mit einem Signalwort, z.B. „schau“ frei und lässt es fallen. Denn Jagdhunde reagieren besonders gut auf Bewegung und lassen sich somit gut motivieren die Belohnung zu suchen und aufzunehmen.
 
 
 Wenn sie die Hand senkt, um den Hund das Leckerchen ins Maul zu geben, ist dieser verunsichert und senkt den Blick und nimmt das Leckerchen nicht an.
 
Ein weiterer Vorteil des Fallenlassens ist der, dass manche Hunde schlechte Erfahrungen gemacht haben, wenn die Hand von oben auf sie zu kommt. Sie ducken sich dann weg und damit ist die Übung negativ belegt. Oft verweigern sie auch die Aufnahme des Leckerchens.
 
 
 Die Hand der Halterin ist nur in Brusthöhe, der Hund sieht nur zum Leckerchen und nimmt keinen Blickkontakt auf. Das wird von Diana Jork sofort korrigiert.
 
Dann versucht die Teilnehmerin die Übung. Als sie die Hand nur in Brusthöhe hält, wird sie von Diana Jork sofort korrigiert. Der Hund soll ja nicht lernen, dem Leckerchen zu folgen, sondern Blickkontakt aufnehmen und bekanntlich haben Menschen keine Sehrezeptoren an der Brust. Es ist sehr wichtig, dass der Hund den Blickkontakt mit den Sichtzeichen verbindet, denn sobald der Hund das Sicht- und Wortkommando verstanden hat, wird das Sichtzeichen ohne Leckerei ausgeführt und erst nach Aufnahme des Blickkontaktes bekommt der Hund seine Belohnung aus der Tasche. Mit Humor wird der Fehler korrigiert und schon macht ihr Hund mit Begeisterung bei der Übung mit.
 
 
 Der Hund hat seine Aufmerksamkeit auf dem Boden..... hört das Signal "schau" und blickt sofort auf
 
Selbst sehr junge Hunde, die mit viel Energie draußen nur schwer zur Kontaktaufnahme zu bewegen sind, haben den Vorteil der Übung schnell erkannt und nehmen dieses neue Signal dankbar auf. Damit kann eine verlässliche Aufmerksamkeit im Freien aufgebaut werden, was Grundlage für einen späteren Freilauf ist, in dem ich den Hund auch vom Schnüffeln auf einer Fährte rausholen kann.
 
 
  Der Anfänger lernt vom Profi! Hunde lernen auch durch Nachahmung!
 
Beim Gruppentraining kann man immer wieder feststellen, wie gerade junge Hunde die Älteren beim Training hochkonzentriert beobachten, um es dann perfekt selbst auszuführen. Hunde lernen ja am schnellsten durch Nachahmung und so verwundert es nicht, das in der Gruppe bei manchen Hunden regelrecht ein Wettkampf ums beste Ausführen festzustellen ist.So mancher wird geradezu übermotiviert und quengelt und fiept dann vor Ungeduld. Und die Freude in der Gruppe steckt auch die Menschen an!
 
 
 Hund hat seine Aufmerksamkeit in der Ferne ... richtet mit "schau" sofort seine Aufmerksamkeit auf seine Halterin
 bekommt dann seine Belohnung und schlendert mit ihr entspannt weiter.
 
Das Signal „Schau“ ist nicht nur ein statisches, sondern kann auch beim Spaziergang in Bewegung durchgeführt werden. Dies erklärt Diana Jork in einem nächsten Schritt. Es dient dann wirklich dazu, den Hund schnell aus einer ungewollten Aufmerksamkeit herauszuholen, diese kurz auf den Halter zu richten und dann entspannt, ohne großes Belohnungsjubeln, gemeinsam weiterzugehen.
Im Weiteren kann der Blickkontakt mit dem Menschen verlängert werden. Der Hund hat gelernt, Blickkontakt ist gut, gefällt meinem Menschen, ist auch bei längerem Anhalten keine Bedrohung, sondern eine kommunikative Verbindung. Bei einem hibbeligen Hund kann der Blickkontakt auch dazu genutzt werden, ihn in Ruhe zu bringen. Man kann die Dauer des Blickkontakts mit der Zeit immer mehr ausdehnen und den Hund von dort auch in andere Kommandos wie das „geliebte Sitz“ schicken, dass dann aber wirklich nützlich als ein Ruhekommando eingesetzt wird.
 
 
  Ein Bild das bewegt! In Vertrauen und liebevoller Anhänglichkeit lassen Halterin und Hund ihre Blicke sprechen!
 
Mit dem kurzen Artikel wurde eine ganz Bandbreite der Vorzüge des Signal "schau" aufzeigt. Der Aufbau des Blickkontakt-Signals ist enorm hilfreich, obwohl er von vielen in seiner Bedeutung nicht erkannt wird. Welchen Fortschritt er im Aufbau des Vertrauens darstellt! Ein Hund, der mir freudig in die Augen blicken kann, der vielleicht sogar gelernt hat, mit seinen Augen zur flirten, der hat keinen Angst vor mir, der schenkt mir sein ganzes Vertrauen!
 
Wer Interesse an dem Seminar "Windhunde aus Spanien - Leben mit Galgo, Podenco, Greyhound und Co." hat, der hat die nächste Gelegenheit für eine Teinahme am 20.- 21. Oktober 2012 in Karben bei Frankfurt
Veranstaltungsort: Haus Nidda, Günther-Reutzel-Weg 4-6, 61184 Karben bei Frankfurt
Anmeldung: Diana Jork, diana@dogs-and-hounds.de, +49 6035 1891975
Weitere Infos zum Seminar in Karben erhalten Sie auf Dogs and Hounds